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Wer rastet, der rostet

Wer rastet, der rostet

Der Teppich wirft eine Falte, die ältere Dame stürzt und bricht sich den Unterarm. Leider kein Einzelfall: Mit dem Alter nimmt die Zahl der Stürze und der Knochenbrüche deutlich zu. Warum das so ist und wie man vorbeugen kann, erklärten die Experten des Marienhospitals Oelde kürzlich im Gesundheitsforum.

Eine Studie zeigt: 43 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen über 65 Jahre sind in den letzten zwei Jahren gestürzt. Das sind doppelt so viele als im jüngeren Alter. Die meisten Unfälle passieren dabei im häuslichen Umfeld: der Boden ist glatt, die Treppe schlecht beleuchtet, das Kissen rutscht vom Stuhl. Aber warum stürzen wir überhaupt? Wir stürzen, weil wir das Gleichgewicht verlieren. „Und das passiert mit zunehmenden Alter schneller, da die dafür notwendige, komplexe Informationsverarbeitung im Gehirn teilweise langsamer abläuft beziehungsweise störanfälliger ist“, erklärte Dr. Pia Bellenberg, Leitende Ärztin der Abteilung für Geriatrie/Neurogeriatrie. „Ein zweiter Grund ist, dass die für das Gleichgewichtgewinnen und -halten notwendige Muskelkraft abnimmt, sei es durch mangelndes Training, sei es krankheitsbedingt, weil die Gelenke arthrosebedingt schmerzen und man im wahrsten Sinn des Wortes nicht mehr so gelenkig ist.“

Die wichtigste Sturzprophylaxe ist daher das Training. Und damit fingen Physiotherapeutin Susanne Winter und die Besucher direkt an. Das Gewicht bei geschlossenen Augen von einem Fuß auf den anderen verlagern, die Arme schwingen, einen Luftballon balancieren und langsam große Schritte gehen gehören zu den Übungen, die das Gleichgewicht fördern.  Die Muskelkraft kann mit kleinen Hanteln, Gewichtsmanschetten oder mit Wasser befüllten Flaschen leicht zuhause trainiert werden. „Man sollte darauf achten, die Übungen langsam auszuführen und abwechselnd die Arme und die Beine zu trainieren“, betonte die Physiotherapeutin, die noch einen wichtigen Tipp parat hatte: „Gehen Sie einmal aufmerksam durch das Haus und achten Sie auf mögliche Sturzquellen: Ist die Treppe gut erkennbar? Ist die Wohnung ausreichend beleuchtet? Ist das Bett auf einer Höhe, die das Ein- und Aussteigen leicht macht? Sind die Küchenschränke erreichbar, ohne sich zu strecken?“ Außerdem sollte sich niemand scheuen, Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen, seien es Stoppersocken, ein Handlauf, ein Gehstock oder ein Rollator.

Trotz aller Vorsicht lassen sich nicht alle Stürze vermeiden. Bei älteren Menschen kommt es dann schnell zu Frakturen, da die Knochen mit zunehmendem Alter brüchiger werden. Besonders häufig brechen der handgelenknahe Unterarmknochen oder der Oberarmkopf, wenn sich die Betroffenen mit dem Arm abstützen wollten. „Die Mehrzahl der Frakturen unterhalb des Oberarmkopfes können wir konservativ behandeln. Eine Ruhigstellung durch einen Schulter-Fix-Verband und Physiotherapie reichen dann aus“, erklärte Rüdiger Strick, Oberarzt der Unfallchirurgie. Bei den übrigen, nicht konservativ behandelbaren Oberarmfrakturen wird der Knochen durch minimale Schnitte mit einem Nagel und Schrauben fixiert. Häufig sind aber auch Frakturen ohne große Gewalteinwirkungen. Grund ist dann die Osteoporose, eine als Knochenschwund bezeichnete Krankheit, bei der die Knochendichte aufgrund des übermäßig raschen Abbaus der Knochensubstanz abnimmt. Vor allem die Wirbelkörper im Übergang vom Brust- zum Lendenwirbel und der Oberschenkelhals sind betroffen. „Bei der Oberschenkelhalsfraktur ist die frühzeitige Versorgung sehr wichtig. Der Patient muss bald wieder aufstehen können, um so auch sekundäre Komplikationen zu vermeiden“, erläuterte der Facharzt für Unfallchirurgie. Die Hüftprothese, die dann in der Regel eingesetzt wird, hält übrigens 15 bis 20 Jahre.

 

Foto: Physiotherapeutin Susanne Winter (von links), Rüdiger Strick, Oberarzt der Chirurgie/Unfallchirurgie, und Dr. Pia Bellenberg, Leitende Ärztin der Abteilung für Geriatrie/Neurogeriatrie im Marienhospital Oelde, informierten über Sturzprophylaxe und Frakturen im Alter.

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